Ein wahrer Satz und ein große Verwechslung

Travel is fatal to prejudices, bigotry and narrow mindedness. Immer wieder wird der Satz von Mark Twain zitiert, wenn vom Wert des Reisens die Rede ist. Meistens ist das jedoch nichts als eine leere Worthülse. 

Viele fliegen um die halbe Welt und bleiben genauso engstirnig, wie sie aufgebrochen sind, weil das, was sie tun, nichts mit der großen, wunderbaren Tätigkeit des Reisen zu tun hat. Reisen verkommt allzu oft zum Abhaken von Sehenswürdigkeiten, einmal vor dem Taj Mahal stehen und ein Selfi machen: „Hurra ich bin da“. Oder es wird reduziert auf den Konsum von exotischen Klischees: kurz Buttertee trinken im Nomadenzelt, Stippvisite in einem afrikanischen Dorf bei halbnackten Eingeborenen. Und dann zurück ins Hotel, wo alles ist wie daheim, ein bequemes Bett und europäisches Essen.

Was macht eine Reise aus

Damit der Satz von Mark Twain stimmt und der Reisende neue Erfahrungen macht, die seinen Blick auf die Welt und auf sich selbst erweitern, muss er bereit seien, sich einer wirklich fremden Fremde auszusetzen. Aber das ist ein Minderheitenprogramm. Die Tourismusindustrie boomt. Reisen ist Out. Das wirklich Fremde macht Angst. Denn nicht alles ist schön, was hinter den exotischen Klischees zum Vorschein kommt.

Jeder ernsthafte Reisende kennt Momente, in denen er sich fragt: „Warum tue ich mir das an?“ Die Antwort ist ganz einfach: Neugierde. Das ist nicht weiter begründbar. Die Welt ist da und ich will wissen, was es hinter dem Horizont noch alles gibt —  jenseits von verkürzten, interessengesteuerten Berichten in Medien und ohne vor harten Realitäten die Augen zu verschließen. Das ist es, was uns Reisende immer wieder losziehen lässt und diese Neugierde ist immer wieder stärker als die Angst und die Bequemlichkeit. Und natürlich ist die Welt nicht nur schrecklich, sondern oft auch verschwenderisch schön.

Außerdem geht es auch darum, den einen oder anderen Unsinn zu machen, den ich mir im Alltag schon längst abtrainiert habe. Denn eines will ich auf keinen Fall. Ich will nicht eines Tages alt seien und und an die Geschichten denken, die ich beinahe erzählen hätte können.

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