Montezumas Rache

Es ist ein Problem das nahezu jeder Reisende außerhalb unserer hygieneverwöhnten Welt kennt: Irgendwann revoltiert der Magen gegen die allgegenwärtigen Keime. In Ladakh lernte ich eine hilfreiche Methode damit umzugehen.

Ich will zunächst ein Loblied auf meinen Magen anstimmen. Eine kleine Begebenheit aus Ladakh soll seine Robustheit bekunden. Ich war gemeinsam mit Dominque, einer französischen Ärztin, in einem Dorf tief in Zanskar bei einer Familie zu Gast. Traditionellerweise werden in ladakhischen Bauernhäusern die Öfen mit getrockneten Dung beheizt. Ich hatte schon hundert Mal zugesehen, wie Ladakhis während des Kochens den Dung nachlegen ohne mir dabei etwas zu denken. Aber Dominique viel aus allen Wolken, als sie neben mir in der Küche saß und auf das Nachtmahl wartete. Es sei eine hygienische Katastrophe, dass niemand auf die Idee kommt, sich die Hände zu waschen bevor er das Essen anfasst. Mit einem Schlag war ihr ganzer Appetit weg. Anstandshalber würgte sie ein paar Bissen herunter und schob den Rest heimlich auf meinen Teller herüber. Am nächsten Morgen klagte Dominique über ein flaues Gefühl im Magen. An mir war die hygienische Katastrophe spurlos vorübergegangen.

Ein hartnäckiger Betreuer

Ein einziges Mal hat mich der gefürchtete Reisedurchfall auf meinen drei Ladakhreisen – insgesamt über ein halbes Jahr – ernsthaft erwischt. Ich war mit einer Gruppe von Mönchen unterwegs, die im Haus einer Familie zwei Tage eine Gebetszeremonie abhielten. In der Nacht habe ich meine Sünden abgebüßt. Im Intervall von 10 Minuten musste ich über die neben mir schlafenden Mönche klettern und mit Luftanhalten zur Komposttoilette in einem Turm neben dem Haus eilen. Irgendwann wurde der Druchfall besser, aber mein Magen wimmerte noch den ganze nächsten Tage vor Schmerzen und mein elender Zustand war nicht zu übersehen. Gyshe Thinlay, der einzige der Mönche, der ein paar Brocken Englisch sprach, meinte, sich um mich kümmern zu müssen und schlug vor, Yoga zu machen. Eigentlich wollte ich nur in einer Ecke vor mich dahinvegetieren. Aber er gab keine Ruhe. Widerstand war zwecklos. Ich musste mit ihm eine halbe Stunde verschiedene Atemübungen machen. 

All die Flüche mit denen ich ihn dafür innerlich belegte nahm ich später zurück. Der weise Mönch wusste, was er tat. Die Atemübungen lenkten vom Schmerz ab – ähnlich wie man auf einer Bergtour bei einer schwierigen Kletterstelle seine Blasen plötzlich vergisst – und es ging mir danach besser. Außerdem habe ich Imodium und krampflösende Tabletten geschluckt. Auch das hat zur Verbesserung meines Zustandes beigetragen.

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